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9. Klasse Hauptschule

Im März 2010...

...war wieder einmal Frau Kohnke (freie Journalistin) in unserer Klasse. Sie wollte etwas über die Arbeit in der Integrationsklasse berichten. Ihren Besricht könnt ihr nachfolgend lesen:


"Ich denke, er findet uns ganz nett"

"Ich denke, er findet uns ganz nett"

Integrationsalltag an der Hardautalschule von Christine Kohnke

Er ist einer von ihnen, aber er spielt dennoch eine besondere Rolle. Er nimmt am Unterricht teil, hat aber ganz andere Lernziele. Er ist 16 Jahre alt und möchte demnächst zur Tanzstunde gehen. Er hätte gerne eine Freundin. Er hat das Down-Syndrom.
"Wir versuchen, Patrick ganz normal zu behandeln. Das klappt gut. Aber manchmal geht es nicht." Ivonne fasst zusammen, was die 9H der Suderburger Haupt- und Realschule seit eineinhalb Jahren erlebt: Integration.

Es kommt vermutlich eher selten vor, dass Schüler im Lehrerzimmer nachfragen, wann denn endlich der Unterricht beginnt. Diesmal schon. Die 22 Jugendlichen der 9H der Suderburger Hauptschule haben einen Stuhlkreis gebildet, zwei Plätze für ihre Klassenlehrerin und den Gast sind auch eingeplant. Auf dem Tisch brennen Teelichte und lassen die Schulatmosphäre in den Hintergrund treten. Die jungen Leute haben sich richtig Mühe gegeben. Sie sind konzentriert, antworten ehrlich.
Seit eineinhalb Jahren gehen sie mit Patrick in eine Klasse. "Wir haben zuvor darüber geredet, was es heißt, einen Schüler mit Behinderung in der Klasse zu haben. Manche fanden das gut, andere nicht", erinnert sich Patricia.
Patrick wechselte mit dem 8. Schuljahr in seine jetzige Klasse, eine Hauptschulklasse. Integration erlebt er seit frühester Kindheit. Zunächst besuchte Patrick den evangelischen Kindergarten in Gerdau, anschließend ging er zur ganz "normalen" Grundschule, ebenfalls in seinem Heimatort Gerdau. Es folgte die Einschulung in der Suderburger Haupt- und Realschule. Für etliche Betreuer und Lehrer war Patrick ihr erster Schützling mit Einschränkungen.
Für Marita Rose nicht. Sie ist Klassenlehrerin der 9H und hat bereits als junge Lehrerin Erfahrungen mit Integration gemacht. "Manches sehe ich heute anders als damals", meint sie. Und ja, Integration sei sinnvoll, wenn damit die richtigen Ziele verknüpft werden. "Patricks Leistungsstand kann man nur schwer festmachen. Aber darum geht es nicht in erster Linie. Für Patrick sind andere Dinge wichtig."
Zurechtkommen im Leben, darum geht es. Sich in einer Welt behaupten, in der oft keine Rücksicht genommen wird. Auch außerhalb des geschützten Familien-/Gruppenbereiches seinen Weg zu finden. "Es geht hier nicht um messbare schulische Leistungen, sondern um den Lerngewinn durch ständiges Trainieren. Hier hat Patrick viele Fortschritte gemacht", so Marita Rose.
Patrick schreibt Geschichten und Briefe, er nimmt aktiv an Projektarbeiten teil, er kann viele englische Vokabeln und sein Lieblingsfach ist Mathe. Wieviel davon er auch ohne Integration gelernt hätte? Marita Rose zuckt die Schultern. "Das weiß niemand. Ist doch auch unerheblich."
"Als Patrick zu uns kam, fand ich das erst einmal lustig. Er hat immer Späße gemacht", meint Oliver. Anfangs hatte Patrick seinen eigenen Computer stehen und wenn die Klasse Aufgaben löste, die für ihn zu schwer sind, spielte er daran. Das fanden die anderen nicht so gut. Heute löst Patrick in solchen Fällen seine eigenen Aufgaben.
Wieviel Sonderstatus heißt Integration? Mit den Extrawürsten war es schnell vorbei in der 9H. Keine süßen Belohnungen und die lange Wanderung auf Klassenfahrt hat er tatsächlich gemeistert. Obwohl im Zweifelsfall ein Auto zur Verfügung gestanden hätte. "Erst hat er manchmal so getan, als könnte er nicht mehr", entsinnt sich Patricia, "aber als wir uns beschwert haben, konnte er doch." Integration als Ansporn.
"Seit Patrick bei uns ist, ist die Klasse mehr und mehr zu einer Gemeinschaft geworden. Wir haben gelernt, wie man mit solchen Menschen umgeht und dass sie ebenso viel können wie wir", sagt Aaron.
Integration als Bereicherung für die Nichtbehinderten. "Bevor Patrick zu uns kam, wusste ich nicht, wie ich mit Behinderten umgehen soll. Jetzt weiß ich, wie ich mit ihnen reden kann", fasst Elisabeth zusammen.
Manchmal reagiert Patrick nicht wie gewünscht: "Ich mag meine Klasse nicht so", platzt er im Gespräch heraus und verschränkt die Arme. Manchmal ist er nicht der niedliche Junge. Manchmal ist er bockig und schließt sich in der Toilette ein. Johannes bleibt bei solchen Tönen cool – und holt Patrick im Zweifelsfall zurück. "Ich denke, er findet uns ganz nett. Er will nur ein bisschen provozieren", meint er gelassen.
Wieviel Gleichheit bedeutet Integration?
In seiner Freizeit lernt Patrick Keyboard, er spielt gerne Wii und sieht fern. "Ich mag Abba, das A-Team und Pippi Langstrumpf", sagt er. Als er seinen 16. Geburtstag feierte, haben ihn fünf Leute aus der Klasse besucht. Doch mit der Pubertät wird der Abstand auch größer, das zeigt sich besonders in der Freizeit.
"Nimmt man dich ernst?" – "Ein bisschen", sagt Patrick. "Später möchte ich an der Tankstelle in Suderburg arbeiten. Ich möchte nicht an die Kasse, sondern die Getränke in die Regale stellen."

Als Down-Syndron wird eine Genommutation beim Menschen bezeichnet. Sie bewirkt, dass das 21. Chromosom dreifach vorliegt. Betroffene sind in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt und individuell verschieden geistig behindert. Der 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag.


Zeugnis 2009 / 2010

Hardautal - Schule Suderburg
Haupt- und Realschule mit Ganztagsschulzweig

ZEUGNIS

Schuljahr 2009/2010

2. Halbjahr

Integrationsklasse 9H

Patrick Cohrs

ENTWICKLUNGSORIENTIERTE LERNBEREICHE

Motorik

Patricks Bewegungsabläufe sind ruhig und bedächtig. Durch eine tägliche konsequente Förderung seiner körperlichen Betätigung könnte die Ausdauer beim Gehen und Laufen erheblich gesteigert werden. Seine feinmotorischen Fertigkeiten sind teilweise gut ausgeprägt. Patricks Schriftbild ist klar und er fertigte seine Aufgaben sorgfältig an. Während der Durchführung von AufgabensteIlungen, die ein hohes Maß an Genauigkeit erfordern, bemühte sich Patrick, die angestrebten Ziele zu erreichen. Es wäre wünschenswert, wenn er Präzisionsimpulse bereitwilliger aufnähme. Dadurch könnte er z. B. beim Zeichnen und beim Ausmalen von Flächen noch bessere Ergebnisse erzielen.

Wahrnehmung

Patrick orientiert sich an seiner Umwelt und sucht den Kontakt zu seinen Klassenkameraden. Er äußert Gedanken und Gefühle und reagiert altersgemäß auf seine Mitschüler. Patrick versteht Arbeitsaufträge, kam diesen aber gelegentlich etwas zögerlich nach. Er brauchte häufig die Unterstützung durch seine Betreuerin, um die Arbeit aufzunehmen.

Sprache

Patrick kann seine Bedürfnisse klar äußern und sich mit Jugendlichen und Erwachsenen in angemessener Form unterhalten. Er ist in der Lage, vor der Klasse frei zu sprechen und seine Arbeitsergebnisse zu präsentieren. Er liest relativ flüssig. Das Bemühen um eine deutlichere Artikulation steht weiterhin im Vordergrund.

Denken

Patrick ist in der Lage, klar formulierte Arbeitsaufträge zu verstehen. Er brachte sich gedanklich in den Unterricht ein, wenn die Inhalte ihn interessierten. Durch das Nacherzählen von Bildergeschichten oder Filminhalten trainierte er Verknüpfungen zu schaffen und Zusammenhänge zu erkennen. Patrick kann englische Vokabeln auswendig lernen und im Gedächtnis speichern.



HANDLUNGSORIENTIERTE LERNBEREICHE

Spielen

Patrick beteiligte er sich in der Regel aktiv an Sport- und Kommunikationsspielen. Er versteht die Spielregeln und wendet sie an.

Soziale Beziehungen

Patrick wurde als akzeptiertes Mitglied der Klasse 9H gleichberechtigt behandelt und zeigte gegenüber seinen Mitschülern überwiegend ein angemessenes Verhalten. Er verhielt sich im gemeinsamen Unterricht in der Regel relativ diszipliniert. Er arbeitete in der Gruppe mit und ließ sich, wenn auch mit Zögern, auf neue Unterrichtssituationen ein. Patrick geht offen auf alle Schülerinnen und Schülern der Hardautal-Schule zu. Lehrern, den pädagogischen Mitarbeitern und dem Schulpersonal gegenüber zeigte er sich ebenfalls aufgeschlossen und freundlich.

Englisch

Patrick zeigt im Fach Englisch Interesse und intrinsische Motivation. Er erledigte seine Hausaufgaben gründlich und arbeitete häufig im Unterricht mit. Er kann die Sprache im anschaulichen Bereich verwenden und hat im Vokabel-Abfragen befriedigende Leistungen erbracht sowie im Grammatiktest zum Thema "If-Sätze" eine ,,3" geschrieben.

Zeit

Patrick mag eine klare Zeitplanung und regelmäßige Termine. Er ist diesbezüglich sehr zuverlässig. Er berichtet gerne von seinen Erlebnissen an den Wochenenden und kann diese zeitlich gut einordnen. Das Ablesen der genauen Uhrzeit von einer analogen Uhr könnte er intensiver trainieren.

Mathematik

Patrick kann im Zahlenraum bis Tausend geforderte Rechenoperationen in schriftlichen Additions- und Subtraktionsaufgaben ohne Hilfe ausführen. Er kennt das kleine Einmaleins sowie dessen Umkehrung und kann fast fehlerfrei schriftlich multiplizieren. Bei Kopfrechenaufgaben nimmt Patrick die Finger zur Hilfe. Transferaufgaben gelingen nur mit sehr viel Hilfe. Insgesamt zeigt Patrick großes Interesse am Rechnen.

Lesen/Schreiben

Patrick ist in der Lage Gegenstände und Vorgänge in einfacher Form schriftlich zu beschreiben. Er kann Brieftexte formulieren und Briefe adressieren. Patrick liest relativ flüssig, jedoch nicht immer sinnentnehmend. In einfachen Diktaten macht er nur wenige Fehler. Inhalte von Filmen und Geschichten können schriftlich fixiert werden. Hausaufgaben fertigte er regelmäßig und sorgfältig an.



FACHORIENTIERTE LERNBEREICHE

Musik/Rhythmik

Patrick hat bei der Weihnachtsfeier vor den Schülern und Lehrern der Klassen 8 -10 der Hardautal-Schule drei Weihnachtslieder auf dem Keyboard gespielt und sich professionell auf der Bühne bewegt.

Werken

Bis November 2009 nahm Patrick am Werkunterricht teil. In dieser Zeit stellte er aus Peddigrohr mithilfe der Lehrerin/Betreuerin ein gleichmäßiges Flechtwerk her.
Er arbeitet unter Anleitung mit der elektrischen Stichsäge und Bohrmaschine.
Seinen Arbeitsplatz räumte er stets auf.

Textilarbeit

Patrick bemühte sich, entsprechend seiner Möglichkeiten, die Schülerfirma "Textil" zu unterstützen.
Er nähte unter Anleitung an der Doppelsteppstichmaschine gerade Nähte. Außerdem webte er, unter Berücksichtigung einer Farbharmonie, ein Objekt in Leinwandbindung.

Bewegungserziehung/Sport

Patrick nahm am Sportunterricht teil und beteiligte sich erfolgreich am Basketball-Turnier. Er nahm begeistert am Boxtraining teil und zeigte am Sportabzeichentag Ausdauer.

Bemerkungen

Patrick hat vom 14.09. - 26.09.2009 ein Schülerbetriebspraktikum im Martinshof in Klein Bollensen mit Erfolg absolviert. Er hat an einem Training zur Schulung der Teamfähigkeit teilgenommen.Patrick benötigt weiterhin sonderpädagogische Förderung in den Bereichen Lernen und geistige Entwicklung.
Patrick wechselt zum neuen Schuljahr den Förderstandort.

Suderburg, 23.06.2010







Klassenlehrerin Förderlehrer





Schulleiterin


Fotos

o.l. + o.m. Sommerski
o.r., li. + re. Abschlussparty bei uns
u.l. Klassenfahrt Sylt
u. Tanz mit Sarina (Kandidatin aus Germanys next Topmodell 2009)
auf dem Abschlussfest