1. Klasse
2. Klasse
3. Klasse
4. Klasse
Biographie

Biographie über Patricks Grundschulzeit

von Anette Finger - Klassenlehrerin der I-Klasse

Seit etwas mehr als zwei Jahren besuche ich die Integrationsklasse der Grundschule Gerdau. Darüber möchte ich an dieser Stelle ein bisschen erzählen. Mittlerweile bin ich in der dritten Klasse und gehöre schon irgendwie zu den Großen. Aber am Besten ist, ich beginne von Anfang an.

Am 11. August 2001 wurde ich eingeschult. Von den anderen Kindern, die mit mir in die Schule kamen, kannte ich viele schon aus dem Kindergarten und so habe ich mich schnell eingelebt. Außer mir besuchen seitdem noch zwei andere geistig behinderte Jungen die Integrationsklasse. Insgesamt sind wir zurzeit 16 Kinder.


meine Grundschule auf dem Schulhof

In der ERSTEN KLASSE haben wir das Schreiben und Lesen gemeinsam an Stationen gelernt. Es gab viele unterschiedliche Aufgaben zu den einzelnen Buchstaben (z.B. Memories, Buchstaben in den Sand schreiben, Puzzle, Lesemalblätter, Schreib- und Höraufgaben u.v.m.), deren Bearbeitungsreihenfolge wir auswählen durften. Teilweise hatten wir I – Kinder die gleichen, teilweise etwas andere Aufgaben als die anderen Kinder. Diese Aufgaben haben mir viel Spaß gemacht. Außerdem haben wir jeder eine Anlauttabelle bekommen.



Buchstaben ablaufen Die einzelnen Buchstaben wurden auf dem Boden geklebt und abgelaufen

Auch in Mathematik habe ich gemeinsam mit den anderen Kindern im Klassenverband gelernt. Wir rechneten bis Zwanzig. Teilweise war das für mich noch etwas schwer, so dass ich leichtere Aufgaben bekam. Viel Spaß hatte und habe ich immer noch an den Kopfrechnenspielen. Die anderen Kinder mussten / müssen teilweise mit geschlossenen Augen gegen mich antreten, damit mir mein Lehrer etwas helfen konnte / kann.

Auch in allen anderen Fächern habe ich gemeinsam mit den anderen Kindern gelernt.
Viel Freude hatte ich in der ersten Klasse am Fußball spielen und Singen.



In der ZWEITEN KLASSE habe ich auch...

... viel erlebt. Von einigen Erlebnissen möchte ich berichten.

Als die neuen Erstklässler kamen, haben wir ein Theaterstück aufgeführt. Das hat mir viel Spaß gemacht, denn ich habe mit anderen Kindern zu Shakira vorgetanzt.

Auch in diesem Schuljahr haben wir eine Winterwanderung gemacht. Aber nachdem mich mein Sonderschullehrer das Jahr davor den Rest der Strecke auf den Schultern tragen musste, waren die Lehrer diesmal etwas schlauer und haben einen Bollerwagen mitgenommen. Nur kam der leider bei meinen Mitschülern auch gut an.



Die Übernachtung in der Schule (die als Probe für die Klassenfahrt gedacht war) habe ich genossen. Ebenso die Klassenfahrt nach Müden / 0ertze, wo wir den Indianern auf der Spur waren. Ich war als „Listiger Rabe“ unterwegs. Heimweh hatte ich nur ein bisschen, aber das gehört wohl auch dazu.

Das Schwimmen habe ich im Schwimmunterricht leider noch nicht gelernt. Während einer Schwimmstunde war mir etwas nicht geheuer und seitdem habe ich wieder mehr Angst vor dem Wasser.




beim Klassenausflug Lesen vor der Nachtruhe

In den Fächern Deutsch und Mathematik arbeiteten wir I - Kinder in unserem Gruppenraum, denn die anderen Kinder bekamen schon schwierige Aufgaben. Das ist auch heute noch so. Mir gefällt das meistens ganz gut, weil ich dort noch etwas mehr Ruhe habe und besser mit dem Lehrer arbeiten kann.

In allen anderen Fächern arbeiteten und arbeiten wir auch jetzt noch im Klassenverband mit und erhalten häufig differenzierte Aufgaben.

In Deutsch festigten wir mit unserem Sonderschullehrer die einzelnen Buchstaben und übten weiterhin das Lesen und Schreiben. Allerdings mussten auch wir ein Laufdiktat schreiben, wenn die anderen Kinder ein Diktat schrieben. Im Klassenverband haben wir vorher an Stationen dafür geübt. Das ist auch heute noch so. Wenn die anderen Kinder in einem Fach eine Arbeit schreiben, müssen wir das in der Regel auch, nur dass unsere Aufgaben andere sind.
Gemeinsam übten und üben wir auch mit unserer Rechtschreibbox das richtige Schreiben einzelner Wörter, nur dass bei mir andere Wörter darin sind.

In Mathematik habe ich mit meiner Klassenlehrerin das Rechnen bis Zwanzig weiter geübt und auch schon die Zehnerzahlen bis 100 gelernt.

Ich hatte in der zweiten Klasse besonders viel Spaß am Singen sowie Musizieren und am Rechnen.


An der DRITTEN KLASSE gefällt mir besonders,

dass wir Englischunterricht haben. Darin bin ich durch meine Fahrten nach England schon recht fit und die anderen Kinder staunen oft darüber, was ich schon alles kann, denn in Englisch weiß ich häufig mehr als sie.

In allen anderen Fächern akzeptieren die anderen Kinder, dass ich länger zum Lernen brauche und auch nicht das Gleiche lernen kann wie sie. Oft helfen mir die Kinder. Außerdem steht mir und den anderen beiden I-Kindern zusätzlich eine Integrationshelferin zur Seite. Und dann ist da ja auch noch unser Sonderschullehrer, der uns seit der ersten Klasse mit 15 Unterrichtsstunden pro Woche zur Verfügung steht.

Allerdings gelten für mich ansonsten keine besonderen bzw. extra Regeln. Ich muss wie jeder Dienste übernehmen, meine Hausaufgaben machen, mich bei Streitereien verantwortlich zeigen u.v.m., alles wie bei jedem anderen Kind in unserer Klasse. Wenn ich einen Dienst nicht ordentlich erledige, wird mir das von den anderen Kindern deutlich gesagt, auch wenn ich dann gerne mal beleidigt bin.

Die fünf Stunden Unterricht überstehe ich soweit ganz gut. Manchmal bin ich allerdings recht müde oder habe einfach keine Lust. Dann ist es mit dem Arbeiten nicht so leicht und beim Rechnen bleibt 60 + 20 schon mal 60. Manchmal bin ich einfach auch nur zu bequem oder etwas stur oder bockig. Leider haben meine Lehrer, Betreuer und die anderen Kinder meine Tricks durchschaut und lassen mich damit nicht mehr so leicht durchkommen.
Nach wie vor habe ich besonders viel Freude an spielerischen Lernformen.



im Musikunterricht

machten wir mit unserer neu gegründeten SCHROTTBAND tolle Rockmusik.


Musikunterricht

ein Unterrichtstag

Vielleicht erhaltet ihr einen genaueren Einblick in mein Schulleben, wenn ich euch mal von einem Unterrichtstag berichte:

Jeden Morgen um 7.45 beginnt die Schule. Dorthin werde ich mit dem Taxi gefahren. Früher konnte ich mit dem Ulli - Bus fahren, den unser Schulhausmeister Ulli fährt. Das gefiel mir richtig gut, denn es waren andere Kinder dabei und wir durften laut Musik hören.

Von 7.45 bis 8.00 Uhr haben wir jeden Tag einen offenen Anfang. In der Zeit dürfen wir unsere Beschäftigung frei wählen. Ich arbeite gerne am Computer oder spiele mit anderen Kindern ein Spiel.

In der ersten Stunde am Montag haben wir den Montagmorgenkreis. Da darf jeder vom Wochenende erzählen. Das macht mir Freude. Ich spreche jetzt viel deutlicher und die Kinder können mich durch ihr mittlerweile speziell geschultes Gehör gut verstehen. Außerdem werden in dieser Stunde die Dienste für die kommende Woche verteilt.

Danach ist Mathe. Am Kopfrechnenspiel nehmen wir I – Kinder noch teil und danach gehen wir in den Gruppenraum um dort mit unserer Klassenlehrerin zu rechnen. Im Moment rechne ich Plus- und Minus- sowie Kettenaufgaben mit Zehnerzahlen bis 100. Für schwierigere Aufgaben benutze ich den Rechenschieber. Außerdem bin ich auf dem Weg meinen ersten Rechenkönig zu machen. Dafür muss ich die insgesamt 16 Aufgaben aus dem Logicco „Rechnen bis 100 mit Zehnerzahlen“ lösen. Wenn ich alle Aufgaben gelöst habe, darf ich in unsere Schatzkiste greifen.
Am Ende der Stunde frühstückt meine Klasse zehn Minuten gemeinsam. Danach geht es in die große Pause.

In der dritten Stunde haben wir Deutsch. Gemeinsam fangen wir mit der Rechtschreibbox an. Zehn Minuten üben wir damit. Danach gehen wir I – Kinder wieder in den Gruppenraum (diesmal mit unserem Sonderschullehrer) um dort zu lesen und zu schreiben.
Mit dem Lesen klappt es immer besser. Stolz lese ich meiner Lehrerin geübte einfache Texte vor. Auch unbekannte Wörter kann ich zunehmend erlesen.

In Deutsch lesen wir z.B. nach den Herbstferien das Buch „Hexe Lakritze“. Auch wir drei I-Kinder lesen mit. Das heißt, uns wird zu Hause von den Eltern, teilweise vom Lehrer in der Schule und manchmal auch von den Kindern vorgelesen. Dazu gibt es dann eine Werkstatt, bei der wir die Reihenfolge der Bearbeitung der einzelnen Aufgaben (die sich auf alle Fächer beziehen) auswählen dürfen. Dabei machen wir I – Kinder auch mit. Wir bekommen dafür einen besonderen Plan, auf dem steht, welche Aufgaben wir bearbeiten sollen. Jeder von uns ist auch für eine Aufgabe Experte und darf diese Aufgabe den anderen Kindern erklären, die erledigte Aufgabe kontrollieren und bei der erledigten Aufgabe auf dem Aufgabenplan des Kindes unterschreiben. Das gefällt mir gut.
Für die Arbeit in Werkstätten und an Stationen brauche ich allerdings immer noch Hilfe, damit ich den Überblick behalte.
In Deutsch werden wir I – Kinder dann außerdem passend zum Buch das ,X,x´ und das ,tz´ wiederholen sowie Wörter damit lesen und schreiben üben.

In der vierten Stunde haben wir Sport. Zurzeit mache ich dort richtig begeistert mit. Im Sport haben wir eine andere Lehrerin.
Danach ist wieder große Pause.

In der fünften und letzten Stunde am Montag haben wir Fordern und Fördern. Da sind wieder unsere Klassenlehrerin und unser Sonderschullehrer da. Wir bearbeiten Suchbilder, Rätsel und vieles mehr. Oft nehmen sich unsere Lehrer auch mehrere Kinder zum Fördern und Fordern. Die restlichen Kinder haben dann Wochenplanarbeit oder manchmal Freie Arbeit. Auf dem Wochenplan stehen mehrere Aufgaben, die wir in der Woche erledigen müssen. Als Pflichtaufgaben sind das bei mir z.B. Wörter schreiben, etwas lesen, ein Malrechenbild, eine Aufgabe am Computer u.v.a. . Als Zusatzaufgaben gibt es z.B. mal ein Mandala oder ein Spiel oder auch eine frei gewählte Aufgabe.
Am Ende des Tages müssen die Hausaufgaben aufgeschrieben werden und um 12.40 Uhr klingelt es. Dann fahre ich müde nach Hause.

So sieht es also mit meinem Schulleben aus. Schnell sind die zwei Jahre vergangen. Insgesamt gefällt mir die Schule ganz gut und macht mir Spaß. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, wie es sich für mich in meiner Integrationsklasse lernt. Wer das ganz genau wissen oder erleben möchte, muss einfach mal vorbeischauen.

Einen lieben Gruß von



Oktober 2003




Countdown in der Grundschule Gerdau

Mittlerweile ist wieder etwas Zeit vergangen und meine Zeit in der Grundschule Gerdau ist fast vorbei. Insgesamt hat es mir gut gefallen, aber ich freue mich auch auf meine neue Schule in Suderburg, wo ich an der Realschule die Integrationsklasse besuchen werde. Gut, davon werde ich euch aber an späterer Stelle berichten. Nun möchte ich erst noch über mein viertes und letztes Jahr an der Grundschule berichten.



So oft wie möglich

habe ich –genau wie in der dritten Klasse- mit den anderen Schülern zusammen gelernt. Teilweise wurde das für mich immer schwieriger. Außerdem bin ich – auch wenn die Lehrer sich viel Mühe geben- ja nicht immer so leicht für jedes Thema zu begeistern und mache dann auch schon mal einfach nicht mit. Mathe, Englisch, Werken und spielerisches Lernen machen mir nach wie vor noch am meisten Freude. Gerne arbeite ich am PC oder im Musikunterricht mache ich mit Freude und „wild“ mit. Und auch wenn ich bei Sachthemen gerne mal abgeschaltet habe, so bin ich doch im sportlichen Bereich über mich hinaus gewachsen. Auf der Klassenfahrt und auf dem Winterwandertag bin ich für meine Verhältnisse ordentlich und stramm mitgewandert. Und was alle nicht für möglich hielten und darüber auch sehr überrascht waren: Ich habe einmal in der Woche freiwillig in der sechsten Stunde an einer Sport-AG teilgenommen. Es hat Spaß gemacht!
In Mathe und Deutsch wurde ich gemeinsam mit den anderen beiden Jungen weiter in dem Gruppenraum unterrichtet. Was ich im vierten Schuljahr gelernt habe, kannst du auf meinem Zeugnis auf der Homepage lesen.
Über meinen Schultag habe ich ja schon beim dritten Schuljahr berichtet. Da sich daran kaum etwas geändert hat, möchte ich hier nur noch über einige besondere Ereignisse berichten.



Das Schuljahr hat gleich gut angefangen,

denn im September ging es auf Klassenfahrt nach Otterndorf an der Nordsee. Wir alle haben dem typisch nordisch regnerischem Wetter getrotzt und die Zeit genossen. Ich war begeistert von der Spielhalle, der Disco, dem Schwimmen und dem Piratentag. Aber auch das Wattwandern fand ich gar nicht so schlecht.
In diesem Schuljahr habe ich mit Begeisterung den Lesemüttern vorgelesen und beim Buchstabierwettbewerb mitgemacht.
Da es ja das letzte gemeinsame Jahr für uns alle war, haben wir den Eltern zu Weihnachten eine besondere Freude gemacht und das Stück „Jubilate und die Himmelsleiter“ eingeübt. Ich habe einen Engel gespielt und nach einigem Üben meinen Auftritt gut hinbekommen und die Sätze laut und deutlich an der richtigen Stelle gesprochen. Die Eltern waren übrigens sehr begeistert.
Unsere vierte Klasse hat übrigens für das erste Schuljahr, das auch eine Integrationsklasse war, eine Patenschaft übernommen. Jedes Kind aus der ersten Klasse hatte somit einen Helfer aus der Vierten, der ihm bei der Orientierung zu Beginn und während des ganzen Schuljahres helfen konnte. Gemeinsam haben wir auch Halloween, Fasching uvm. gefeiert. In den Pausen haben wir des Öfteren zusammen gespielt und die „Kleinen“ unterstützt. Oft haben wir ihnen auch vorgelesen. Wir drei I-Kinder waren so gut es ging dabei. Das hat viel Spaß gemacht.



Auch wenn ich an den Fahrradübungen und –turnieren nicht teilnehmen konnte, habe ich währenddessen mit meiner Integrationshelferin geübt und werde auch weiterhin üben um das Fahrradfahren zu lernen.
Es gäbe noch Vieles über das ich berichten könnte, aber das würde zu viel werden. Nur noch eines zum Schluss:
Zum Ende des Schuljahres haben wir noch einmal ein Schulfest unter dem Motto „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“ mit viel Spielespaß organisiert, auf dem auch über die vier Jahre Integration resümiert wurde und Eltern sich Informationen beschaffen konnten. Ich kann nur sagen, alles in allem war es eine tolle Sache und ich freue mich schon auf die Fortführung der I-Klasse in Suderburg, wo ich viele meiner jetzigen Schulkameraden wieder sehe, aber auch neue kennen lernen werde.

So long,





August 2005